Frauen tun der Gesell­schaft gut

Bad Laer. Rainer Spiering, Bun­des­tags­ab­ge­ord­neter der SPD, war nach Mat­thias See­stern-Pauly nun der zweite Poli­tiker, der der Ein­ladung der Geschwister-Scholl-Ober­schule Bad Laer zum Polittalk gefolgt war. Wieder hatten sich die drei Mode­ra­toren Marcel Rohlmann, Lucas Ugowski und Maya Reuter Fragen überlegt, die sie dem SPD-Mann stellen wollten.

Zu der Frage nach der Lega­li­sierung von Can­nabis sagte Spiering, dass er die Droge in gedämpftem Maße eben­falls kon­su­miert habe, als er jung war. „Mir hat es nicht geschadet“, sagt er. Alkohol sei auch legal und darüber rege sich keiner auf. „Was in diesem Land gemacht wird, ist mora­lisch grenz­wertig.“

Frau­en­quote

Maya Reuter sprach Andrea Nahles an, die am 22. April Vor­sit­zende der SPD wurde. Ein Novum in der Geschichte der Partei. Rainer Spiering befür­wortete eine Stei­gerung der Frau­en­quote in poli­ti­schen Gremien. „Frauen haben ein höheres Maß an Loya­lität, haben mehr Mög­lich­keiten, inte­grativ zu denken und sie denken in grö­ßeren Zusam­men­hängen“, so der Poli­tiker. „Frauen tun der Gesell­schaft gut.“

Ganz anders sah er das bei der AfD, die seit der Bun­des­tagswahl eben­falls in der Politik mit­mischt. „Sie ver­treten das Weltbild der 1950er Jahre“, sagte Spiering. Frauen gehörten an den Herd und hätten sich ansonsten in die Män­nerwelt ein­zu­gliedern. „Das Weltbild dieser Zeit war dominant männlich und von Gewalt geprägt“, sagte Spiering. Es war ein Poli­zei­staat, der Freiheit kaum zuge­lassen hat. Er for­derte die Jugend­lichen auf, ihre Freiheit, die von Genera­tionen vor ihnen erkämpft wurde, gegen diese „ver­schworene Möch­tegern-Elite“ zu ver­tei­digen. „Ihr seid unser Zukunfts­schatz.“

Freiheit

Auf die Frage, ob er die Pro­test­wähler denn ver­stehen könne ant­wortete der Talkgast, dass er durchaus nach­voll­ziehen könne, dass die Geschwin­digkeit, mit der sich die Welt ver­ändere, unsicher machen kann. „Was ich nicht ver­stehe, ist die Flucht in die Angst“, sagte Spiering. Er selbst sei 1976 in die SPD ein­ge­treten, weil er von der Sozi­al­de­mo­kratie zutiefst über­zeugt sei. „Ich habe staat­liche Gewalt und Zugriffe auf meine Freiheit nie zuge­lassen“, so Spiering. Die SPD sei für ihn die Partei, die diese Freiheit garan­tiere.

Beim Thema Brexit zeigte sich Rainer Spiering recht ent­spannt. „Deutschland kommt ohne England nicht aus und England ohne uns nicht“, sagte er. Er sei sicher, dass es eine Art Frei­han­dels­ab­kommen geben werde, der den Aus­tausch mit England wie bisher möglich mache. „Der poli­tische Flur­schaden wird geringer sein, als wir alle dachten.“

Reichtum teilen

In Sachen Flücht­lings­po­litik besann sich der Talkgast ganz auf sein Christsein und zitierte aus den Selig­prei­sungen, in denen es unter anderem heiße: „Achte auf die, die Schutz suchen“. Dass Merkel 2015 die Men­schen habe kommen lassen, habe ihr weltweit Aner­kennung beschert. „Das hat es so noch nie gegeben“, sagte Spiering. Wie sie die Flücht­lings­welle dann gehändelt habe, sei aller­dings schlecht gewesen. Spiering machte deutlich, dass Europas Politik Ent­wicklung in Afrika ver­hindere und das müsse auf­hören. „Wir müssen von unserem Reichtum abgeben.“

Auf eine einsame Insel, auf die Rainer Spiering drei Dinge mit­nehmen darf, würde der SPD-Mann übrigens nur eins mit­nehmen. „Das ist meine Frau“, sagte er. Das sei alles, was er brauche, um gut ver­sorgt zu sein.